Einführende Gedanken

Die Wirkung der Musik auf unser Menschsein, auf Körper, Geist und Seele wird heute von niemanden angezweifelt, genauso wenig wie ihr heilender und kompensativer Einsatz in der heutigen Musiktherapie in Frage gestellt wird. Singen/Musizieren trägt zur menschlichen Triebbefriedigung (Stichwort: Suchtprävention), zur Kanalisierung von Aggressions- und Gewaltpotentialen, zum Abbau motorischer Staus, zur Veränderung emotionaler Stimmungen (Stichwort: Psychohygiene), zur Sinnfindung im Leben, zur Intelligenzentwicklung, zur Verbesserung von Aufmerksamkeit und Konzentration, zur Förderung der Leistungsmotivation, zur spirituellen Verankerung usw. sozusagen "singend, spielend, tanzend, improvisierend, inszenierend, reflektierend, recherchierend, studierend...." bei.

Musikerziehung hat die Aufgabe, unter Berücksichtigung der akustisch-musikalischen Umwelt und der besonderen Eigenart jedes einzelnen Schülers/jeder einzelnen Schülerin zum freudvollen Singen, Musizieren, bewussten Hören, Bewegen zur Musik und zum kreativen musikalischen Gestalten zu führen. Sie soll die SchülerInnen zu lustbetonter musikalischer Betätigung anleiten und ihnen die Möglich¬keit geben, Freude, Bereicherung und Anregung durch die Musik zu erfahren.
Ausgehend vom aktiven Umgang mit Musik sind grundlegende sowie weiterführende Informationen und Kenntnisse über Musik zu vermitteln um ein tieferes Verständnis für Musik zu entwickeln.

Es ist von grundlegender Bedeutung, wenn jeder Mensch, um es mit Univ.Prof. Dr. Hans Günther Bastian zu sagen, „sein eigener Walkman werden darf" und derart mit dem musikalischen Grundwerkzeug ausgerüstet und im Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten in die Erwachsenenwelt hineinwachsen kann.

 

Musik am Franziskanergymnasium Bozen

Musikerziehung in diesem Sinne kann am Franziskanergymnasium auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken. Dabei war die Vielfalt des Angebotes ein stetes methodisch-didaktisches Muss und Maß sowohl im curricularen Unterricht als auch in den verschiedenen Nachmittagsprojekten.

Im Rahmen des curricularen Unterrichts achten die SchülerInnen auf Körperhaltung, Atmung, Gehör, Stimme und Sprache und setzen sich mit vielfältigen Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten der Musik aus verschiedenen Stilrichtungen, Epochen und Kulturkreisen fächerübergreifend auseinander. Durch das gemeinsame Singen und Musizieren, Hören, Erleben und Reflektieren von Musik erfahren die SchülerInnen den musikalischen Ausdruck in seinen verschiedenen Formen, erwerben einen vielseitigen jugendgemäßen Liedschatz, grundlegende und fortführende Kenntnisse der Musiklehre und werden zu einem aktiven Ausdruck in Form von Bewegung, Tanz, Pantomime und Rollenspiel geführt. Die vielfältigen Erfahrungen ermöglichen es, den SchülerInnen sich selbst zu erleben, sich kreativ auszudrücken und mit anderen zu kommunizieren und sich als Teil einer Gruppe zu empfinden. Dadurch werden das Selbstvertrauen und das Verständnis für den eigenen Kulturraum gestärkt, Persönlichkeit entfaltet, Teamgeist und Verantwortung für die Gemeinschaft entwickelt usw.
Die Bildungs- und Unterrichtstätigkeit wird mit dem Ziel gestaltet, den SchülerInnen vielfältige Möglichkeiten zu bieten, die Lernziele zu erreichen und persönliche Kompetenzen aufzubauen.

Neben dem curricularen Unterricht wurde das musikalische Zusammenspiel/-singen stets in Form von Projekten gepflegt. Vor zwanzig, dreißig Jahren war dies z.B. in der Fränziband oder in eigenen Chorprojekten möglich. Heute können die SchülerInnen der Mittel- wie der Oberschule ihre musische Seite in der Bigband „ATB" (ca. 25 Mitglieder), der Dixiecombo „The Dixie Pixie Jazz Band" (8 Mitglieder), der Rockband (ca. 8 Mitglieder), dem Gospelchor (ca. 45 Mitglieder) oder fallweise auch in einer Musicalwerkstatt (z.B. „Der Schlund" oder „The Street Kings") oder Kompositions-/Improvisationswerkstatt ausagieren. In ca. 12 Darbietungen jährlich stellen die SchülerInnen ihre Fähigkeiten unter Beweis und tragen mit ihrer Begeisterung eine klare Botschaft nach außen (und nach innen): Das Leben ist schön, das Leben ist lebenswert, ich lebe in einer Welt mit Seele. Und gerade das ist das wichtigste, denn wie schon der argentinische Bildhauer, Architekt und Menschenrechtler, Friedensnobelpreisträger und Professor an der Kunstuniversität in Buenos Aires Adolfo Pérez Esquivel sagte: „In einer Welt ohne Seele gibt es keine Menschen, nur Märkte, keine Bürger, nur Konsumenten, keine Nationen, nur Konzerne, keine Städte, nur Ballungsräume. Alles hat seinen Preis, aber nichts hat Wert ... Menschenwürde, kulturelle Identitäten und das Leben selbst sind Werte, die nicht an der Börse gehandelt werden können!" 

 




(Prof. Armin Thomaser)