Geschichte Des Franziskanergymnasiums

Das Franziskanergymnasium atmet Geschichte. Seit über 200 Jahren wirkt an dieser Bildungsstätte der Geist des großen Ordens und strahlt weit über Stadt und Land hinaus in die Welt. Von der großen Tradition dieser Schule erzählen nicht nur die Namen berühmter, verdienstvoller Lehrer und Schüler, geistlicher Würdenträger und politische Entscheidungsträger, Künstler und Wissenschaftler, die hier ihre erste Formung erhielten, sie klingt auch an in unzähligen Anekdoten und liebenswerten Erinnerungen ehemaliger Studenten, aus denen spürbar die Dankbarkeit gegenüber den Ordensmännern spricht, die in verantwortungsvoller Tätigkeit das Franziskanergymnasium durch die Zeit geführt und geleitet haben.

Am Anfang steht indessen nur eine Idee. Als der Bozner Stadtmagistrat 1778 mit der Bitte an die Kaiserin Maria Theresia herantritt, in Bozen ein öffentliches Stadtgymnasium einzurichten, verspricht die Antwort aus Wien zunächst wenig Erfolg. Doch die Stadtväter lassen sich nicht entmutigen und betreiben ihr Vorhaben energisch weiter. Im Oktober 1780 gibt die Hofkanzlei grünes Licht, und am ersten Oktober 1781 läuft der Schulbetrieb an: 93 Schüler und acht Lehrer, letztere zwischen 26 und 33 Jahren jung. Vieles ist noch improvisiert; ein aus Bozner Stadtbürgern zusammengeschlossener Gymnasialverein hat in privater Initiative das sogenannte Castiolhaus angekauft; als Honorar für jeden Professor werden vom Gymnasialverein, bzw. einer daraus gebildeten „Ökonomischen Gymnasial Deputation“, jährlich 40 Gulden und 10 Klafter Holz zugeteilt.

Nicht viele Jahre ruhigen Aufbauens sind den Patres beschieden, denn die napoleonische Zeit bricht über das Land herein und macht auch vor den Toren des Franziskanergymnasiums nicht halt. Die humanistische Schule muss einem Realgymnasium weichen, mit der Bezeichnung „Königlich-Bayrisches Gymnasium“. 1809 werden diese Änderungen vorübergehend rückgängig gemacht, doch erst mit der Rückgabe Tirols an Österreich im Jahr 1813 können die Franziskaner wieder selbst den Unterricht leiten. Der liberale Umschwung der vierziger Jahre mit den daraus folgenden Schulreformen stellt die Patres vor die Notwendigkeit, sich den neuen Unterrichtsrichtlinien anzupassen. Universitätsfrequenz und Lehramtsprüfung werden Pflicht, eine Maturaprüfung nach dem 8. Kurs wird eingeführt, neue Fächer ins Programm aufgenommen. Für den erweiterten Betrieb reicht das Castiolhaus nicht mehr aus, und so geht man an einen Neubau.

1853-55 entsteht das Schulhaus in der Weggensteinstraße, unweit der Deutschhauskirche. In den Jahren des Kulturkampfes muss das Gymnasium seinen Lehrplan an den der öffentlichen Schule anpassen. Das bisherige Gymnasium wird verstaatlicht. Die Franziskaner stehen ohne Schule da. Der Unterricht wird zwar unter der entschlossenen Führung P. Vinzenz Gredlers, des wohl bedeutendsten Leiters des Gymnasiums seit seinem Bestehen, in einem Trakt des Klosters und zum Teil in gemieteten Räumen des Ansitzes Stillendorf weitergeführt, doch stellt die schnell anwachsende Schülerzahl (im Schuljahr 1880/81 hat sie die des staatlichen Gymnasiums übertroffen) den regulären Schulbetrieb in Frage. Gredler wagt sich an einen Neubau im klostereigenen Grund an der Vintlerstraße. In der Rekordzeit von einem knappen halben Jahr (!) wird der von den Architekten Altmann und Bittner entworfene Bau 1882 verwirklicht, und im November 1882 kann P. Vinzenz Gredler mit 229 Studenten und 18 Lehrkollegen in das neue Gebäude an der Vintlerstraße einziehen.