"Die Wahrheit interessiert mich nicht!"
Voller Einsatz: Nicola Canestrini während seines Vortrags am Samstag
Man hatte fast ein wenig das Gefühl, als Geschworener einem flammenden Plädoyer der Verteidigung beizuwohnen, als RA Nicola Canestrini vergangenen Samstag im brechend vollen Caius-Saal seine Ausführungen zum Thema "Schuldig Über das Unverteidigbare" machte. Ganz Strafverteidiger, hielt es den ehemaligen Schüler des Franziskanergymnasiums dabei nicht hinter dem Rednerpult, sondern war während seiner Ausführungen ständig im Vortragssaal unterwegs, gestikulierend, mit der Stimme und Lautstärke spielend, mal begütigend, mal polternd, bald scherzend, bald im ernsten Tonfall. "Was für eine Show!", flüsterten einige der Schüler der Oberschule in den wenigen Verschnaufpausen einander zu - sie waren von dem, was sie hörten, ebenso in den Bann gezogen, wie die zahlreichen erwachsenen Zuhörer (darunter viele Berufskollegen des Referenten). Anschaulich stellte Canestrini dar, wie wichtig es sei, dass vor Gericht auch jenen die ihnen zustehenden Rechte gewährt würden, denen man sie sonst gerne versagen würde: den politisch Unbequemen, den vermeintlichen Terroristen, den Seenotrettern, die sich nach Ansicht mancher mit den Schleppern und Schleusern gemein machen.
Nach dem flammenden Plädoyer für Rechtsstaatlichkeit, das der Referent mit anschaulichen und aussagekräftigen Beispielen aus seiner Tätigkeit untermauerte (zu seinen Mandanten gehört aktuell etwa auch jener Ukrainer, der im Verdacht steht, die North-Stream-2 Pipeline gesprengt zu haben) ergab sich eine interessante Fragerunde. In deren Verlauf wurde einmal mehr klar, wie schwierig und gleichzeitig alternativlos es ist, Recht und Moral vor Gericht immer in Einklang zu bringen.
Den bildungstechnischen Unterbau für seine heutige Tätigkeit, so erinnerte sich Canestrini zudem, habe er seinerzeit an der "Fränzi" mitbekommen. Hier habe man ihn kritisches Denken, Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit gelehrt - Tugenden, die ihm
Das Publikum dankte dem Ex-Fränzi, der übrigens gleich schon zu Beginn eine Lanze für die Schule und das "Klassische" allgemein brach, seine spannenden Ausführungen mit lebhaftem Applaus.